Samstag, 3. April 2021

Ostern 2021

 Ostern

 … in der Familie

Vorlesegeschichte: Licht am Ostermorgen

An diesem Morgen sind die Frauen schon auf den Beinen, bevor es richtig hell wird. Johanna greift den Korb mit Salböl und Tüchern und Maria öffnet die Tür. Doch Maria Magdalena schüttelt den Kopf. Tonlos flüstert sie: Ich will nicht. Und ich kann auch nicht. Seit drei Tagen sitzen wir still hier und warten. Ich kann nicht mit zum Grab. Dort ist es noch stiller als hier. Für mich ist Jesus noch da. Ich denke dauernd: Gleich kommt er vorbei. Seine Worte klingen noch in meinem Ohr. Bittet und es wird euch gegeben. Suchet und ihr werdet finden. Es ist als kommt Jesus gleich wieder.

Maria, die Mutter des Jakobus, dreht sich erstaunt um. Aber Maria Magdalena! Du warst doch auch dabei. Als Jesus am Kreuz hing. Du hast ihn sterben sehen. Jetzt ist er tot. Sein Körper liegt im Grab. Der muss jetzt gesalbt werden, wie es Brauch ist. Das ist das letzte, was wir für Jesus tun können. Dann kann er endlich in Frieden ruhen.

In Frieden ruhen? Maria Magdalena ist jetzt richtig aufgebracht: Versteht ihr denn nicht? – Das geht nicht! Jesus hat gesagt: Geht und verkündet das Reich Gottes. Es beginnt jetzt mitten unter euch. Deshalb muss ich nach draußen. Ich muss davon erzählen. Die Leute müssen verstehen: Es war falsch, Jesus zu verurteilen. Er hat viele geheilt. Und mir hat er auch ein neues Leben gegeben. Johanna zuckt zusammen und legt den Zeigefinger beschwichtigend auf die Lippen. Pssst! Sei lieber still. Damit hast du keine Chance. Sich draußen auf den Straßen zu Jesus zu bekennen, ist gefährlich. Soldaten nehmen dich fest. Man wird dich verurteilen genau wie ihn. Sieh es doch ein. Es hat keinen Sinn mehr. Es ist vorbei.

Maria Magdalena sinkt in sich zusammen. Eine erste Träne läuft ihr über die Wange. Sie murmelt: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen! Das hat Jesus gesagt. Er hat es versprochen. Jesus kann nicht weg sein. Er ist doch unser Leben.

Jetzt tritt die Mutter des Jakobus nahe zu Maria Magdalena. Sie legt ihr den Arm um die Schulter und schiebt sie sanft zu Tür. Leise sagt sie: Das sind wunderbare Worte. Aber Worte helfen jetzt nichts. Jetzt müssen wir etwas tun. Und dafür brauchen wir dich. Komm mit – sonst kriegen wir den riesigen Stein nie weg vom Grabeingang!

Im ersten Morgenlicht treten die Frauen aus dem Haus und machen sich auf den Weg zu Jesu Grab. Sie gehen langsam, mit gebeugten Schultern, die Köpfe gesenkt. Alle sind in Gedanken versunken. Keine sieht auf ins Licht der Sonne. Maria Magdalena laufen Tränen über ihre Wangen. Aber Johanna staunt: Wie mutig Maria Magdalena war. Sie hat weiter gehofft, dass Gottes Reich zu uns kommt. Sie hofft auch jetzt noch, wo alles dagegen spricht. Plötzlich hat auch Johanna Jesu Stimme in ihrem Ohr: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Johanna seufzt: Ach Gott, ich will auch so gerne weiter hoffen und glauben. 

Als sie ankommen, sehen die Frauen: Der Stein vor dem Grab ist verschwunden. Die dunkle Höhle liegt offen da. Was da wohl passiert ist? Ängstlich treten  die Frauen ins Dunkel. Aber Jesus ist nicht zu sehen. Hat jemand den toten Jesus gestohlen? Die Frauen erschrecken und tasten sich vorwärts zum Ausgang der Höhle. Da stehen zwei Männer vor ihnen. Ihre Kleidung ist strahlend weiß. Sie selber leuchten ganz hell. Sind das Engel oder ist das die aufgehende Sonne? Die Männer sagen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Denkt daran, was er zu euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Er muss verhaftet werden und wird am Kreuz sterben. Aber am dritten Tag wird er wieder auferstehen.

Die Männer verschwinden so schnell, wie sie gekommen waren. Und die Frau-en stehen da vor dem Grab, unsicher was sie jetzt denken sollen. Die ersten Sonnenstrahlen legen sich wärmend auf ihre Gesichter. Die Frauen blinzeln dem Licht entgegen und heben staunend ihre Köpfe. Kann das sein, dass Jesus lebt? Wo ist er? Werden wir ihn selber sehen?

So wie die Sonnenstrahlen am Ostermorgen immer stärker werden, breitet sich immer mehr Licht in den Herzen der Frauen aus. Jetzt sind sie sicher: Jesus lebt! Er ist auferstanden! Er hat den Tod besiegt!

Die Sorgenfalten der Frauen verschwinden. Ihre Gesichter werden fröhlich. Ihre Augen beginnen zu strahlen – hell und heller. So wie die Sonne, die am Himmel höher steigt. Sie wärmt alles mit ihren Strahlen. Im Licht des Oster-morgens wird die Welt ganz und gar hell.

Da kommt Bewegung in die drei Frauen. Auf!, ruft Magdalena, wir müssen los. Das müssen die anderen auch erfahren. Jesus lebt. Er ist auferstanden. Er hat den Tod besiegt.

Impulse für das Osterfest

Zum Nachspüren und Staunen

 Das Sonnenlicht kann man jeden Tag beobachten. Besonders schön ist es, den Sonnenaufgang zu erleben. Am besten gelingt das an einem Himmel ohne Wolken. Verabredet euch und stellt einen Wecker etwa 20 Minuten vor Sonnenaufgang. Beobachtet (am besten draußen), was in der nächsten Stunde geschieht. Wann fallen die ersten Sonnenstrahlen auf dein Gesicht? Wie bei dem Auferstehungsmorgen.